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Programm

Konzert im Rahmen von Stimmen 2007

Sonntag, 15. Juli 2007, 20.30 Uhr
Pfarrkirche St. Peter, Lörrach

homage à
Fanny Hensel-Mendelssohn

Geistliche Chormusik 1831:
Hiob – Lobgesang – Oratorium nach Bildern der Bibel

Julia Thornton, Sopran
Silke Marchfeld, Alt
Karlheinz Brandt, Tenor
Georg Gädker, Bass

Motettenchor Lörrach
Orchester des Motettenchores
Leitung Stephan Böllhoff

Vorverkauf im Burghof Lörrach unter Tel. +49 (0) 7621/9408911, bei allen Geschäftsstellen
der Badischen Zeitung, des Verlagshaus Jaumann und des Südkurier.
Im Internet unter http://www.stimmen.com – Tickets zu 24/28/32 Euro

„Leben und Wohltat hast du an mir getan ...“

„Madame Hensel war eine außergewöhnliche Musikerin mit einer Energie, die man in ihren dunklen Augen ahnen konnte und in ihrem Blick voll Feuer“.       Charles Gounod

Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy (1805-1847), die komponierende Pianistin, und Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), der gefeierte Star der europäischen Musikszene in den 1830 und 40er Jahren waren das klassisch vorbildhafte Geschwisterpaar des aufgeklärten Bürgertums im 19. Jahrhundert. Während Felix Mendelssohn jedoch internationale Karriere machte, konnte Fanny ihr großes Talent, vor allem als Pianistin, nur bei häuslichen Sonntagsmusiken unter Beweis stellen. Ihre Erziehung gebot es ihr, als Frau keiner künstlerischen Betätigung in der Öffentlichkeit nachzugehen. Deshalb spielte sich Fanny Mendelssohns Welt in der Hauptsache in Berlin in der Leipziger Straße 3 ab, dem elterlichen Palais, das von den Mendelssohns 1825 bezogen worden war. Hier begann neben dem Klavierspiel auch Fanny Mendelssohns nicht unerhebliche Kompositionstätigkeit. Nach der Hochzeit mit dem Maler Wilhelm Hensel im Herbst 1829 und der Geburt des gemeinsamen Sohnes Sebastian im Sommer 1830 übernahm Fanny Hensel 1831 die Organisation der berühmten „Sonntagsmusiken“ im Hause Mendelssohn, die regelmäßig von „tout Berlin“ besucht wurden. Hier erfuhr Fanny als Pianistin große Bewunderung; hier konnte sie „im häuslichen Rahmen“ ihre Kompositionen vorstellen.

1831 war jedoch für Berlin auch ein leidvolles Schicksalsjahr: Die große europäische Cholera-Epidemie wütete aufs Verheerendste in der Stadt, und Berlin musste zeitweise vollkommen unter Quarantäne gestellt werden. Hunderte von Toten waren zu beklagen, darunter auch viele Freunde der Familie Mendelssohn. Für sie schrieb Fanny Hensel im Herbst 1831 in memoriam zwei Kantaten: die Hiob-Kantate und das „Oratorium nach Bildern der Bibel“ (Cholera-Kantate). Zuvor hatte sie im Juni zum ersten Geburtstag ihres Sohnes den Lobgesang geschrieben, die Kantate „Meine Seele ist stille“. In vielen Passagen erinnern die drei Kompositionen an die Größe der Oratorien Händels und Bachs. So setzte Fanny Hensel komponiert in der zeitgenössischen Tonsprache des 19. Jahrhunderts ihren barocken Vorbildern beeindruckende Gedenksteine.

Fanny Hensels Chorkompositionen erfuhren erst Mitte der 1980er Jahre eine Wiederbelebung. Die durch den Westdeutschen Rundfunk (WDR) geförderte Aufführung beispielsweise der Cholera-Kantate am 27. Mai 1984 durch die Kölner Kurrende gilt als Uraufführungsdatum dieses Werkes, da die Aufführungen bei den Sonntagsmusiken zu Hensel/Mendelssohns Zeiten als privat galten und diese Komposition außer der Fachwelt - der breiten Öffentlichkeit unbekannt war.

Wenn die drei geistlichen Chorwerke von Fanny Hensel während des Internationalen Gesangsfestivals STIMMEN 2007 durch den Motettenchor Lörrach unter der Leitung von Stephan Böllhoff zu hören sein werden, kann dieser Konzertabend durchaus bereits heute als Spezialität und Geheimtipp annonciert werden.

Joachim Jensch

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