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Eine tönende frohe Botschaft


Der Lörracher Motettenchor und sein Orchester führten Haydns "Harmoniemesse" und dessen "Te Deum" auf

LÖRRACH. "Wenn ich aber an Gott denke, so ist mein Herz so voll Freude, dass mir die Noten wie von der Spule laufen. Und da mir Gott ein fröhliches Herz gegeben hat, so wird er mir schon verzeihen, wenn ich ihm fröhlich diene." "Ich bin für die Opera buffa geboren, Du weißt es wohl! . . . Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies." Zwei Komponisten, Joseph Haydn und Gioachino Rossini, empfehlen Gott ihre Messen und hoffen, dass der von den Theologen Vereinnahmte ihren fröhlichen Gottesdienst mit Wohlgefallen aufnehmen möge. Wir wissen nicht, ob er das je tat, doch spricht vieles dafür, dass er über Haydns "Harmoniemesse" und sein "Te Deum", die er am Sonntag in der Peterskirche hören konnte, anders als erfreut und beglückt gar nicht sein könnte.

Der 70-jährige Haydn erstellt seine kompositorische Bilanz, und die ist so voller Überraschungen, harmonisch Unerwartetem und kühnen Verwandlungen des Messtextes, dass nicht nur der göttliche Adressat, sondern auch wir, 200 Jahre später, nur staunen und uns freuen können. Diese Messe ist Musik gewordene Vitalität, und was bei den Theologen bloße Erzählung bleibt, die Rede vom "lebendigen Gott", macht Haydn zur tönenden Wirklichkeit.

Es war das große Verdienst der Interpretation, die Stephan Böllhoff mit dem Motettenchor und dessen Orchester (Konzertmeisterin Miriam Rudolph) erarbeitet hatte, dass sie den "Drive" dieser Musik ungebremst sich entfalten ließ. Böllhoff, so hörte sich's an, nimmt diese Musik beim Wort, und das hat nichts mit interpretatorischer Naivität zu tun, sondern alles mit durchdachter Werktreue. Und da er Chor und Orchester mit erwarteter Gründlichkeit und musikalischen Intelligenz einstudiert hatte, war die Vielfalt der Affekte und kompositorischen Überraschungen unmittelbar zu hören.

Der erfahrene Haydn erlaubt sich in dieser Messe die Kühnheit, die Summe seiner geistlichen Musik der Opera buffa anzunähern, in den Bläserklängen an Mozart zu erinnern und im "Sanctus" das neue romantische Klanggefühl zu zitieren. Grandios! "Fröhlich" diente Haydn, wie er schrieb, Gott. Was wir verlernt haben, konnten wir hier erneut hören: Fröhlichkeit ist nicht Ausgelassenheit oder Love Parade. Sie ist vielmehr die Mischung aus Freude und Schmerz, aus Jubel und "stillem Kämmerlein".

Es war das Beglückende dieser Aufführung, dass Böllhoff Chor und Orchester auf diese nicht selten unerwarteten Stimmungswechsel präzise eingeschworen hatte. Das Solistenquartett: Regina Kabis, Sopran, Susanne Otto, Alt, Thomas Seedorf, Tenor und Ulrich Rausch, Bass erfüllte einzeln alle Erwartungen und klang im Ensemblegesang angenehm homogen. Dass die Vier übers Orchester hinweg singen mussten, erwies sich mehrmals als nicht optimale Lösung, vor allem angesichts der Tatsache, dass das große Raumvolumen der Peterskirche nicht sonderlich "solistenfreundlich" ist. Sonntag, 11. Mai: "Eine herrliche Messe . . . vom berühmten Haydn . . . Unvergleichlich schön und vorzüglich ausgeführt." Fürst Starhembergs Tagebuchnotiz ist nichts hinzuzufügen.

Leider doch ein kurzes Postskriptum: Diese Konzertbesprechung ist unausgewogen, denn sie erwähnt mit keinem Wort die sauber gespielte Ouvertüre zu "Le ritorno di Tobia" und auch nicht das vom Chor packend gesungene "Te Deum". Was den einen ihre Platzangst, ist dem Kritiker oft seine Platznot. Mögen die Leser ihm dennoch gewogen bleiben!

Nikolaus Cybinski
Aus der Badischen Zeitung vom 13. Mai 2003


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