Zur Aufführung am Stimmenfestival 1999
(...) Das Konzert, das ausschliesslich Werke von Johannes
Brahms zur Aufführung brachte, begann mit dem
«Schicksalslied» für Chor und Orchester. Ein dichter,
kompakter Chorklang in ausgezeichneter Intonation überzeugte hier
das Publikum. Danach sang die wunderbare Altistin Silke Marchfeld,
unterstützt von den Männern des Motettenchors, die
«Altrhapsodie». «Ist auf deinem Psalter, Vater der
Liebe, ein Ton seinem Ohre vernehmlich, es erquicke sein Herz» -
den glücklichen Zuhörerinnen und Zuhörern war mehr als
nur ein Ton dieses Psalters vernehmlich, und entsprechend erquickt ging
das Publikum in die Pause.
Danach dann die «Liebeslieder-Walzer» - schlank und
beweglich vorgetragen, trotz der beachtlichen Grösse des Chors
durchsichtig und rhythmisch prägnant. Alle Lieder waren - anders
als in der Urfassung für Soli, Chor und vierhändiges Klavier
- für das Orchester bearbeitet, zum Teil in Fassungen von Brahms
selbst, zum Teil in geradezu kongenialen Neuschöpfungen von
Eckhard Kiem, der sich eng an die Brahmsschen Orchestervorstellungen
hielt und nur ganz selten seinen persönlichen Schalk durchblinzeln
liess - etwa im sehr sinnigen Harfeneinsatz in «Es bebet das
Gesträuche».
Silke Marchfeld hatten wir bereits in der Rhapsodie lieben gelernt; an
ihre Seite trat nun die Sopranistin Jacqueline Forster. Die Stimmen der
beiden Frauen verdichteten sich - perfekt gemischt - zu hoher
Intensität, etwa im unglaublichen «Vögelein
durchrauscht die Luft» - die Terzenseligkeit geriet sinnlich und
elementar; jeder Mann im Publikum hätte gern der Ast sein wollen,
auf den sich die beiden Nachtigallen schliesslich niederlassen
würden - «wo es selig raste».
Der Motettenchor Lörrach und sein Orchester unter der Leitung von
Stephan Böllhoff sowie die beiden Solistinnen erwiesen in diesem
Konzert Johannes Brahms ihre Referenz ohne allzu gross Ambitionen, ihn
neu erfinden zu wollen - ein Ansatz, dem sich auch Eckhard Kiem in
seinen Bearbeitungen anschloss. (...) Brahms wurde hofiert, wie er es
zu Lebzeiten verdient hätte, und das Publikum dankte es mit nicht
enden wollendem Applaus, Soll man da kritische Fragen stellen?
«Nein, Geliebter, setze dich.»
Aus der Basler Zeitung vom 3. Juli 1999
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