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Die Größe Gottes in den schönsten Tönen


Motettenchor Lörrach beschenkt sich mit Haydns "Schöpfung"

LÖRRACH. So muss das Paradies sein. Genauso so, wie es Haydn in seinem Oratorium "Die Schöpfung" beschreibt. Die Erschaffung der Welt wird darin in den farbigsten Bildern ausgemalt und die Größe Gottes in den schönsten Tönen gepriesen. Mit diesem oratorischen Großwerk feierte der Motettenchor Lörrach sein 75-jähriges Bestehen: Bei einem eindrucksvollen Jubiläumskonzert im Rahmen des Stimmenfestivals im nahezu ausverkauften Burghof.

Dem Dirigenten Stephan Böllhoff gelang mit seinem gut instruierten Chor und Orchester eine Darstellung der "Schöpfung" von fließendem oratorischem Schwung und angemessener Festlichkeit. Dabei setzte er nicht auf plakative Akzente oder übertriebene Dramatisierung, sondern ging wohltuend natürlich mit Haydns Musik um. Böllhoff legte Wert auf feine Ausdrucksnuancen, das begann schon in der behutsam sich steigernden, ganz auf schwebende Klangstruktur achtenden Orchestereinleitung, dieser kühnen Darstellung des Chaos aus dem Nichts.

Im Laufe des Konzerts gab es Momente voller lyrischer Innigkeit und rokokohafter Heiterkeit in den verzierten Solopassagen, da erlebte man plastische und anschauliche klangmalerische Schilderungen von der Erschaffung der Erde, der Gestirne, der Tier- und Pflanzenwelt und des ersten Menschenpaares. Chorleiter Böllhoff fand mit seinem Großaufgebot an Chor- und Orchesterkräften einen schlüssigen Zugang zu Haydns Werk. Der idyllische, hymnisch-feierliche Charakter der Musik konnte sich in dieser lebhaften Interpretation ebenso gut entfalten wie die illustrativen Tongemälde von den Naturelementen. Ohne die naiv gläubige Frömmigkeit der Textdichtung überzustrapazieren, brachten Chor und Solisten das Gotteslob, den Lobpreis der Schöpfung und die Beschwörung paradiesischer Freuden glaubwürdig zum Ausdruck.

Respekt verdient die Leistung des Motettenchors, der sich als regionaler Laienchor auch auf der internationalen Stimmenbühne beachtlich behaupten konnte. Trotz der stattlichen Größe und Stimmfülle des Chors blieb der Gesang erfreulich schlank und wendig. Auch in den strengeren Chorfugen war da keine Angestrengtheit zu spüren, sondern geradezu eine beflügelte Leichtigkeit des Singens. So konnte, man sich in den prächtigen Chören "Stimmt an die Saiten" oder "Singt dem Herrn alle Stimmen" an glanzvoll aufstrahlender Stimm- und Klangpracht erfreuen. Auch das Orchester verstand sich auf Haydns illustrativ ausgeschmückte Ton- und Genremalerei, spielte unter Böllhoffs präzisen, dynamischen Einsätzen klangschön, inspiriert und gut auf akzentuierte Klangdetails geeicht.

An der markanten Chorstelle "Und es ward Licht" setzt das Orchester mit lichtvollem Klang, strahlenden Bläsern und Trompetenglanz ein: ein eindrückliches Klangerlebnis. Herrlich auch die Stelle, an der Erzengel Uriel die Wunder des Firmaments, die hell glänzenden Sterne, die aufsteigende Sonne besingt: Da geht auch im Orchester klanglich die Sonne auf. Bezaubernd auch die bukolischen Bläserklänge, mit denen die Koloraturen umrankt werden.

Die Solisten sangen ihre Partien angenehm einfühlsam, vermieden in den Arien opernhafte Allüren, erfreuten durch deutliche Artikulation und beste Textverständlichkeit. Christine Wolffs jugendfrischer Sopran, bis in die Höhe ohne Schärfe, hat den nötigen Liebreiz, lyrische Anmut und Koloraturenzauber für die Partien des Gabriel und der Eva. Bassbariton Waldemar Wild, als Raphael und Adam souverän wie ein Fels in der Brandung, sang die Rezitative wohltönend schlicht und dennoch in aller anschaulichen Deutlichkeit, wenn er die Kraft der Elemente, Stürme und Meere beschwört. Mit schlankem, gewandtem Oratorientenor verlieh Bernhard Gärtner (Uriel) seinen Soli hellen Glanz und Erzählkraft. In den Terzetten und den Zwiegesängen von Adam und Eva fanden die Solistenstimmen schön harmonierend zusammen.

Roswitha Frey

Aus der Badischen Zeitung vom 17. Juli 2001


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