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Antonín Dvorák - Stabat Mater

Sonntag, 19. November 2000

Der lateinische Text des Mariengedichtes Stabat mater ist franziskanischer Herkunft und geht inhaltlich bis ins 13. Jahrhundert zurück. Als Verfasser vermutet man Jacopone da Todi und Bonaventura.

Was Dvorák bewogen hat, diese mittelalterliche Sequenz für sein erstes geistliches Werk auszuwählen, ist nicht explizit überliefert. Dvorák war seit 1874 als Organist an der St. Adalbert-Kirche in Prag tätig und wurde in diesem Rahmen mit Kirchenmusik verschiedenster Art konfrontiert. 1875 fand dort eine Aufführung des Stabat mater von Franz Xaver Witt statt, an der Dvorák mit hoher Wahrscheinlichkeit mitwirkte. Diese Erfahrung könnte ihn motiviert haben, sich derselben Gattung zuzuwenden. Gegenüber Witts streng cäcilianischer Vertonung (nur Chor und Orgelbegleitung) für rein kirchliche Verwendung ist Dvoráks Werk aber schon aufgrund seiner großen Besetzung für eine "konzertante" Aufführung konzipiert. Es gilt trotzdem als seine "frömmste Komposition" und erweckt als Gesamteindruck immer tief empfundene Religiosität.

Der Verlust dreier Kinder in den Jahren 1875 und 1876 könnte den Anstoß gegeben haben, religiöse Musik zu komponieren. Dvorák entwirft das Stabat mater im Frühjahr 1876 nach dem Tod seiner Tochter Josefa; er beendet es im November 1877 in einem fieberhaften Schaffensrausch, nachdem kurz hintereinander eine weitere Tochter und sein Erstgeborener gestorben waren. Die Uraufführung findet erst im Dezember 1880 statt.

Das Werk hat - vielleicht auch, weil es kein Auftragswerk war - sehr subjektiven Charakter. Dvorák lässt die liturgische Form völlig außer Acht und wählt stattdessen eine Anlage, die durch häufige Textwiederholungen die Vorlage zu einer der längsten Vertonungen in der Musikgeschichte anwachsen lässt. Er gliedert die vorgegebenen 20 Strophen in 10 Nummern von unterschiedlicher Länge.

Die Sätze 1 und 2 eröffnen das Werk in groß angelegter Form. Der Aufbau eines symphonischen Kopfsatzes stand deutlich Pate im ersten Satz: Exposition eines Hauptthemas, modulierender Mittelteil und Reprise des Anfangs. In weitgreifenden Unisoni schreitet das chromatische Thema voran, die gesamte Besetzung wird hier beansprucht. Der 2. Satz, in Rondoform, beschränkt sich auf das Solistenquartett und zarte Instrumentierung.

Nach acht Strophen, die Leid und Schmerz der Muttergottes unter dem Kreuz beschreiben, tritt nun in dem Gedicht ein lyrisches Ich auf, das die persönliche Betroffenheit des Gläubigen angesichts des Gekreuzigten thematisiert.

In den nun folgenden Sätzen entfaltet Dvorák ein reiches Spektrum chorischer und solistischer Teile, deren melodische Linien sein feines Gespür für die menschliche Stimme verraten. Dabei zeigt er die liebenswerte Gewohnheit, jeder Stimme musikalische "Leckerbissen" auszuteilen. Jeder an der Aufführung Beteiligte merkt, dass er Wichtiges auszusagen hat. Gelegentliche Unempfindlichkeiten gegenüber der Textausdeutung oder der lateinischen Betonung verlieren hinter der Ausgewogenheit der Strophen- und Bogenformen an Bedeutung. (Dvorák war vor allem Instrumentalkomponist.)

Nachdem die ersten vier Sätze in Moll erklungen sind, mildert das Es-Dur des 5. Satzes den düsteren Charakter. Erst in der Alt-Arie in Nr. 9 kehrt Dvorák mit der Vision des jüngsten Gerichts zum moll zurück.

Die Herstellung übergeordneter motivischer Zusammenhänge ist dem Komponisten wichtig, und so greift er im Schlussteil den Beginn des ersten Satzes wieder auf. Er entfaltet damit geradezu sinnliche Pracht rund um den Begriff des "paradisi gloria" und lässt dasselbe Thema, verwandelt in triumphales H-Dur, in der großen Amen-Schlussfuge gipfeln.

Insgesamt dominiert ein getragener Ton: gedämpfte Dynamik, langsame Tempi und eine zurückhaltende Instrumentierung lassen die schlichte Melodiosität wirken. Nur an wenigen Stellen - z.B. in Nr. 6, Männerchor mit Tenorsolo - weicht Dvorák vom geschlossenen vierstimmigen Chorsatz ab. Thematische Quellen finden sich in der tschechischen Volksmusik.

Die Komposition des Stabat mater fiel zusammen mit Dvoráks beginnendem internationalen Ruhm. Brahms war auf ihn aufmerksam geworden und förderte ihn, was das Selbstvertrauen des Tschechen stärkte. Das Werk wurde in seiner Heimat, vor allem aber auch in England sehr positiv aufgenommen. Die seit Händel ungebrochene britische Chorfestival-Tradition hatte einen ständigen Bedarf an neuen Oratorien, wodurch sich Dvorák ein einträgliches Tätigkeitsfeld eröffnete.

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Stabat Mater - Text und Übersetzung

Stabat Mater - Prosatext


Solisten

Sabina Martin, Sopran

Sabine Czinczel, Alt

Bernhard Gärtner, Tenor

Markus Volpert, Bass


Vorschau

Frühjahr 2001, Joseph Haydn - Die Schöpfung



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